EPITAPH reviewed

“5 stars ! A Man Of Many Talents: Der Belgier Dirk Serries war in den vergangenen Dekaden unter eigenem Namen oder mit Projekten/Kollaborationen wie den Noise-Jazzern Yodok III und unter seinen Drone-Pseudonymen Microphonics, Vidna Obmana, Fear Falls Burning oder – zusammen mit Steven Wilson – Continuum zugange, darüber hinaus hat er unter anderem mit Godflesh/Jesu-Mastermind Justin Broadrick und dem amerikanischen Komponisten Steve Roach zusammengearbeitet und die Bühne mit den Indie-Bands Low und My Bloody Valentine geteilt.
In diesem Jahr steht Serries‘ fünfzigstes Wiegenfest an, wie auch Consouling Sounds zehnjähriges Dienstjubiläum feiert, was liegt näher, als die Sektkorken zur gemeinsamen Sause knallen zu lassen: Im April veröffentlichte das Genter Label für Experimental-Musik, Postrock und Artverwandtes eine feine Doppel-CD mit einer opulenten Sammlung aus zehn gedehnten Instrumental-Arbeiten des Musikers, der hier seinen expliziten Hang zur abstrakten Ambient-Musik dem Vernehmen nach final zelebriert. Dirk Serries selbst merkt in den Liner-Notes zur Veröffentlichung an, dass die Arbeiten den Stand der Klangforschungen nach über 30 Jahren Zweifeln, Frustrations-Momenten und vielen Ups und Downs zu seiner Vorstellung von Gitarren-Ambient und verfremdenden Electronica-Elementen dokumentieren, gleichsam ein Ende des Weges markierend mit Ausblick auf zukünftiges, weiteres Vordringen in individuell unerforschte Gebiete der Experimental-Musik, im Geiste einer lebenslangen tonalen Entdeckungsreise.
Direkt in den Computer eingespielt mit der E-Gitarre und ergänzt durch gesampelte Drone-Elemente, entstanden über neunzig Minuten improvisierte Melancholie, zum Innehalten gebietende Space-Reflexionen, die in hellen Klangfarben wie dunklem, unterschwelligem Rauschen und allen weiß-grau-schwarzen Schattierungen dazwischen in den Orbit driften und zum genauen Hinhören zwecks Erspüren der charakteristischen Nuancen gemahnen. „Epitaph“ ist weit von herkömmlichem Gitarren-Ambient entfernt, Serries abstrahiert, verfeinert und verfremdet den ursprünglichen Saiten-Anschlag zu synthetischen wie trotz Transformation organisch klingenden Sound-Scapes, die, einmal mit der verdienten Aufmerksamkeit und Konzentration bedacht, einen unglaublichen, Sucht-entfachenden Sog entfalten.
Wohin Genius in Verbindung mit Studiotechnik und handwerklicher Finesse Dirk Serries zukünftig führen, man darf wie stets bei diesem Musiker gespannt sein, mit dem letzten Kapitel der Bestandsaufnahme seiner experimentellen Ambient-Vergangenheit ist ihm zweifellos ein höchst gelungenes und hochspannendes Zwischenbilanz-ziehen geglückt.” Gerhardemmerkunst – Germany

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